Hermann Ludwig Blankenburg

Hermann Ludwig Blankenburg

geboren
14.11.1867  in Thamsbrücke
gestorben
15.05.1956  in Wesel

Info

Hermann Ludwig Blankenburg wird zurecht als „deutscher Marschkönig“ bezeichnet, und dies, obgleich sein Leben wenig spektakulär verlief. Auch in der damals alles beherrschenden Militärmusik fanden seine Märsche keine Berücksichtigung als Armee- oder Heeresmarsch. Dies ist um so weniger verständlich, enthalten doch viele seiner Kompositionen jene Elemente, die einen zündenden Militärmarsch ausmachen. Blankenburg wurde 1876 in Thamsbrück in Thüringen geboren und sollte nach dem Willen des Vaters kein Musiker werden. Erst im Alter von 16 Jahren konnte er dem Vater die Zustimmung zur damals üblichen Musikausbildung, u.a. bei Musikdirektor Peters in Holzminden, abringen. In den Jahren 1895 bis 1897 soll er seiner Dienstpflicht als Tubist im Trompeterkorps des Feldartillerie Regiments Nr. 6 in Breslau genügt haben. Nach seiner Militärzeit befand sich Blankenburg für kurze Zeit in Kaiserslautern. Im Januar 1900 zog er mit seiner Familie nach Barmen. Er lebte dort zunächst in bescheidenen Verhältnissen und war zum Teil saisonal als Orchestermusiker in Duisburg, Elberfeld-Barmen und Dortmund beschäftigt. Während sich seine Familie damals überwiegend in Hagen aufhielt, kam Blankenburg aufgrund seiner verschiedenen Anstellungen im gesamten Rheinland und Ruhrgebiet viel umher. Blankenburg, der im Hagener Adressbuch des Jahres 1909 als Kapellmeister geführt wird, ist 1914 zum Cleveschen Feldartillerie Regiment Nr. 43 in Wesel eingezogen worden. Ob er Mitglied des Trompeterkorps des Regiments wurde bzw. ob dieses damals noch fortbestand, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Blankenburg verblieb auf alle Fälle mit Unterbrechungen bis zum Endes des 1. Weltkrieges beim Regiment. 1918 heiratete Blankenburg ein zweites Mal und lebte seit dieser Zeit in seiner niederrheinischen Wahlheimat Wesel. Im Laufe der Zeit besserten sich seine Lebensverhältnisse, obgleich verschiedene Verlagsgründungen belegen, dass er als Kaufmann keine übermäßig glückliche Hand führte. Blankenburg wurde auf alle Fälle zu einer geachteten Persönlichkeit in Wesel und in der Hauptstadt Berlin konnte sein Freund Willibald Gatzke 1936 sogar ein Blankenburg-Sekretariat eröffnen. Das Kriegsende schließlich bescherte ihm zwei schlimme Schicksalsschläge: Durch einen Luftangriff ausgebombt, verlor er auch noch in den damaligen Wirren sein gesamtes Notenmaterial und sein Sohn Karlheinz, auf den er all seine Hoffnungen gesetzt hatte, starb 1946 in russischer Gefangenschaft. Der internationale Blankenburg-Experte Manfred Schustereit charakterisiert den Komponisten und Dirigenten Blankenburg wie folgt: „...Seine Märsche repräsentieren in ihrer Mehrzahl musikalische Qualität und hohes Niveau. Sie zeichnen sich durch melodischen Charme und durch einfallsreiche und ansprechende Thematik aus... Einige seiner besonders melodisch gestaltete Märsche sind nahezu musikalisches Allgemeingut geworden...“ und „... Hinsichtlich der Interpretation seiner Märsche ging Hermann Ludwig Blankenburg eigene Wege, wenn die Orchester unter seiner Leitung standen, wobei dann stets sein eigenschöpferisches Empfinden und sein elementares Musikantentum in den Vordergrund traten...“ Die Weltgeltung für zahlreiche Märsche Hermann Ludwig Blankenburgs geht auf das Jahr 1906 zurück. Damals wurde ihm der erste Preis für seinen Marsch „Deutschlands Fürsten“ zuerkannt, den er für den internationalen Wettbewerb 1905 des britischen Verlages Boosey & Hawkes eingereicht hatte; der Titel wurde vom Verlag später in „The Gladiators’ Farewell“ („Abschied der Gladiatoren“) geändert.